HERZHOSE UND BIO-BYPÄSSE

Atherosklerotische Verkalkungen (Stenosen) verengen große und kleine Schlagadern (Arterien) oder verstopfen sie sogar: Die Gewebedurchblutung wird gestört, die betroffenen Gewebe erhalten zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe. Die Folgen sind unter anderem Herzinfarkt, Schlaganfall oder schwere Durchblutungsstörungen an den Beinen. Immer mehr Menschen leiden an diesen atherosklerotisch bedingten Krankheiten.

 

Oberstes Ziel der Therapie ist es, die Durchblutung im betroffenen Organ wieder zu verstärken. Dazu gibt es hochmoderne Behandlungsmethoden; zusätzlich kann die Fähigkeit des Körpers genutzt werden, biologische Bypässe zu bilden.

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Selbstheilung des Herzen – Überbrückung von Gefäßverengungen durch Arteriosgenese

1. Das Blut fließt durch größere Arterien, die durch kleine Brückengefäße (Kollateralen) verbunden sind, in denen der Blutfluss sehr gering ist.

2. Wenn sich eine größere Arterie verengt, wird das Blut zunehmend durch die Kollateralen gelenkt:  Dieser erhöhte Blutfluss bewirkt eine Umwandlung der Kollateralen in große Arterien.

3. Durch die neuen Arterien wird die  Engstelle überbrückt und  das Gewebe wieder ausreichend mit Blut  versorgt.


HERZHOSE trainiert die biologischen Bypässe

Wie werden arterielle Engstellen und Verschlüsse behandelt?

Katheter-Intervention: Ein Angiologe / Kardiologe führt von außen einen Ballonkatheter in das Gefäß ein, weitet die Verengung auf und stabilisiert dies meist zusätzlich mit einer Gefäßstütze (Stent).

Bypass-Operation: Ein Herzchirurg oder Gefäßchirurg überbrückt mit einem Gefäßstück oder einer Gefäßprothese die verschlossene Gefäßstelle.

Was sind biologische Bypässe? Die Arteriogenese.

Der Körper kann bis zu einem gewissen Grade arterielle Engstellen oder Verschlüsse selbst kompensieren:  Kleine Gefäße des Blutgefäßnetzwerks, so genannte Kollateralen, werden bei Verschluss eines Nachbargefäßes „ausgebaut“ zu großen Überbrückungsgefäßen (Abb. 1). Diese Gefäße passen sich durch Wachstum den neuen Anforderungen des lokalen Blutflusses an. Dieses Wachstum zu „biologischen Bypässen“ (Arteriogenese) kann mit körperlicher Bewegung verstärkt werden. Denn Bewegung lässt das Blut vermehrt strömen und dies regt Blutgefäße zum Wachstum an.

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Während der Herzruhephase pumpen sich die Manschetten nacheinander von unten nach oben gerichtet auf
– das Blutvolumen der Beine wird zum Herzen beschleunigt –dieser Beschleunigungsimpuls sorgt dafür, dass biologische Bypässe anfangen zu wachsen.

Biologische Bypässe sind Körper bereits angelegte natürliche Überbrückungsgefäße. Sie sind von Geburt an vorhanden und werden bei der richtigen Blutflußbeschleunigung im Gefäß aktiviert. Das funktioniert beim Spitzensportler ebenso wie beim kranken Menschen. Experten sind sich deshalb heute einig, dass Patienten nach überstandenem Herzinfarkt oder auch bei Gefäßeinengungen unbedingt ein gezieltes und wohldosiertes körperliches Training benötigen.

Aber nicht alle Patienten haben diese Möglichkeit, sei es, weil weitere Erkrankungen sie daran hindern, Sport zu treiben  oder aus anderen Gründen.  Für diese Menschen gibt es eine Alternative: die personalisierte HERZHOSE®.

Die Grundlage der Herzhose® ist die „individualisierte Shear Rate Therapie“. Damit ist gemeint, dass der beim Sport erhöhte Pulsschlag imitiert wird – ein Pulsschlag entgegen der üblichen Richtung, nämlich zum Herzen hin. Mit einer aufblasbaren Manschettenhose wird das Blutvolumen aus Beinen und Gesäß pulsartig zum Herzen beschleunigt.

Die Grundlage der Herzhose® ist die „individualisierte Shear Rate Therapie“. Damit ist gemeint, dass der beim Sport erhöhte Pulsschlag imitiert wird – ein Pulsschlag entgegen der üblichen Richtung, nämlich zum Herzen hin. Mit einer aufblasbaren Manschettenhose wird das Blutvolumen aus Beinen und Gesäß pulsartig zum Herzen beschleunigt. 

Das Aufpumpen der Manschetten geschieht getriggert über die Ableitung eines Elektrokardiogramms (EKG-Triggerung). Der nun vermehrt in die Herzkranzgefäße und ihre Kollateralen beschleunigte Blutstrom löst körpereigene Mechanismen aus, die das Gefäßwachstum anschalten. Schlecht durchblutete Areale des Herzmuskels erhalten bei entsprechender Behandlungsdauer zunehmend mehr Sauerstoff und Nährstoffe. Das Organ kann sich erholen.

Bei der Behandlung mit der personalisierten  HERZHOSE® handelt es sich also um ein passives Blutgefäßtraining.


Der Behandlungsablauf

Patientin bei der Herzhose-Behandlung

Zunächst erstellt der Arzt mit Hilfe des Gefäßtachometers® einen auf den Patienten abgestimmten Therapieplan. Dazu wird per Ultraschall der Blutfluss an der Halsschlagader, im Oberarm- und Kniebereich gemessen und die maximale Beschleunigung und Verzögerung des Blutflusses bestimmt. Diese Methode ermöglicht die individuelle Dosierung der Therapie.

Zur Behandlung mit der HERZHOSE werden dem Patienten Manschetten um Unter- und Oberschenkel sowie Gesäß angelegt. Diese füllen sich stoßweise in einer bestimmten Frequenz und EKG-getriggert mit Luft. Dadurch wird Blut aus den Beinen pulsartig Richtung Herz transportiert – ein passives Gefäßtraining, damit der Körper biologische Bypässe bildet und sich besonders die Blutversorgung des Herzens allmählich verbessert.

Patientin bei der Herzhose-Behandlung

Die Behandlung erfolgt stets in einem HERZHOSE-Zentrum mit geschulten und zertifizierten Personal drei bis sechs Wochen. Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen benötigt das Herz drei bis sieben Wochen bzw. 30 bis 35 Trainingsstunden, damit Kollateralgefäße wachsen und zu biologischen Bypässen werden können. Die gesamte Therapiedauer im Einzelfall hängt von den individuellen Faktoren und Bedürfnissen des Patienten ab und kann auch auf 90 min pro Tag intensiviert werden.

Ziel ist es, die Blutversorgung soweit zu verbessern, dass die körperliche Belastbarkeit zunimmt und Patienten selbst ein angepasstes Training absolvieren können, um ihren Allgemeinzustand zu stabilisieren und weiter zu verbessern.